An einem ansonsten ganz gewöhnlichen Tag im April 2018 veröffentlichte Adam Koszary, ein Mitarbeiter des Museum of English Rural Life (umgangssprachlich als „The MERL“ bekannt), einen Tweet. Er hatte ein Archivbild eines riesigen Widders, der dringend geschoren werden musste, mit einer frechen kleinen Bildunterschrift versehen: „Schaut euch dieses absolute Kraftpaket an.“ Das war ein Format, mit dem er schon seit Monaten erfolgreich experimentierte. Es folgte eine Flut von Retweets sowie ein sprunghafter Anstieg der Followerzahlen. Und dann kamen die Retweets und neuen Follower in einer Welle nach der anderen, bis sich das kleine, eintrittsfreie Museum, das in einem Gebäude auf dem Campus der University of Reading untergebracht ist, plötzlich als Social-Media-Liebling der Welt der Museen, Archive und Bibliotheken wiederfand. Im Laufe der Zeit nutzte das MERL diesen Moment der Viralität für seine Markenidentität, startete einen Podcast namens „Absolute Units“ und verkaufte im Museumsshop Merchandising-Artikel mit dem Widder und der dazugehörigen Bildunterschrift.
Kleine Museen, die sich eng auf Nischenthemen konzentrieren, haben außerhalb ihres Kernpublikums in der Regel keinen besonders hohen Bekanntheitsgrad. Hin und wieder jedoch dringt eine kleine Einrichtung ins Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit vor oder gerät in den Mittelpunkt eines der drängendsten politischen Themen der Zeit. Funworld sprach mit Vertretern von vier kleinen Museen, um herauszufinden, wie sie mit Wandel und Innovation umgehen, was funktioniert und was größere Attraktionen – Vergnügungsparks, Zoos, Aquarien, botanische Gärten, Familienbildungszentren und sogar größere Museen – von ihren Kollegen in kleineren Einrichtungen lernen können.
Einzigartig, doch mit vielen Gemeinsamkeiten
Neben dem MERL nahmen Vertreter des Tenement Museum in New York City, des Mütter Museum in Philadelphia und des National Mustard Museum in Middletown, Wisconsin, an der Umfrage von Funworld teil. Jede dieser Einrichtungen widmet sich der Bewahrung und Interpretation eines ganz bestimmten Ausschnitts der Menschheitsgeschichte und ist daher eng mit der übergeordneten Geschichte ihrer Heimatstadt und Region verflochten. Angesichts einer solchen Bandbreite an Spezialisierungen mag es unmöglich erscheinen, gemeinsame Nennner zwischen diesen Museen zu finden, doch bestimmte Statistiken zeichnen ein erkennbares Bild.
Dieses Quartett von Museen teilt zudem eine ganze Menge Gemeinsamkeiten, was ihre Herangehensweise an Themen, ihre Offenheit für Experimente und sogar eine gewisse Verspieltheit angeht. Die Flexibilität und Wendigkeit, Anpassungen vorzunehmen oder einer skurrilen Idee weiter nachzugehen, als es bei größeren, stärker hierarchisch gegliederten Organisationen üblich ist, kann ein deutlicher Vorteil sein.




